NACHLESE - Seminar Bioöle in der Forstwirtschaft

Rund 40 Teilnehmer folgten mit großem Interesse den hochkarätigen Beiträgen der Referenten am Informationstag der FAST Ort zum Thema "Biologisch abbaubare Hydraulikflüssigkeiten in Forstmaschinen". Organisiert und moderiert wurde die Veranstaltung von DI Nikolaus Nemestóthy, BFW FAST Ort.

Zur Einleitung beleuchtete Clemens Kraus (PEFC Austria) die Aspekte umweltgerechter und nachhaltiger Holzernte aus der Sicht der Zertifizierung sowie Hubert Kürner (Stadtfeuerwehr Gmunden) die Problematik von Ölunfällen jeglicher Art bezüglich Boden und Wasser. Die im Falle eines Ölaustrittes wichtigsten Maßnahmen sind demnach bestmögliche Unterbindung der Versickerung von Öl sowie die rasche Alarmierung der Feuerwehr.

Milorad Krstic (Kleenoil-Panolin) machte deutlich, dass die Verantwortung für Folgeschäden aus Ölunfällen eindeutig beim Maschinenbetreiber liegt. Diesem obliegt eine besondere Vorsorgepflicht, wenn ein Risiko besteht  und dieses ist unleugbar bei der komplexen Mobilhydraulik mit vielen Schlauchleitungen gegeben.
Bei biologisch schnell abbaubaren Hydraulikölen mit den Umweltzeichen "Blauer Engel" und/oder "EURO-Margerite" ist der rasche biologische Abbau nach den strengen Kriterien der internationalen Norm OECD 301 (A bis F) garantiert. Bei größeren Öl-Auslaufmengen ist dennoch Gefahr für die Umwelt gegeben, da der Abbau mehrere Wochen dauert.

Dr. Günter Weise (Kuratorium für Waldarbeit, KWF) präsentierte Umfrageergebnisse über Erfahrungen deutscher Forstunternehmer mit Bioölen, die ergaben, dass 73% der Maschinenbetreiber keine technischen Probleme feststellen konnten. 27 % hatten Probleme mit Dichtungen oder Schläuchen. Die von den ersten Bioölen der späten 80-er Jahre bekannten Probleme mit Pumpen oder Motoren gab es mit den heutigen Hydraulikflüssigkeiten bei den befragten Unternehmern nicht.

Über die Maßnahmen zur Sicherstellung der Wasserqualität in den Wiener Stadtwäldern berichtete Hubert Mayer (MA 49, Stadt Wien). In diesen besonders sensiblen Wäldern werden zur Vorsorge bei Maschineneinsätzen entsprechende Ölunfallsets vom Betrieb bereitgehalten. Darüber hinaus müssen die Maschinen besonders gut gewartet sein und regelmäßig auf Dichtheit der Hydraulikanlage kontrolliert werden. Hydraulikschläuche werden nach Herstellerangaben vorsorglich gewechselt, nicht erst wenn sie undicht werden.

Seitens der Maschinenhersteller waren Ernst Pachler (CNH-Steyr) und Christian Freitag (ÖFORST) einig, dass für den Einsatz biologisch abbaubarer Hydrauliköle ein breites Viskositätsspektrum, gute Wärmeleitfähigkeit sowie ausgezeichnete Schmierwirkung Mindestforderungen darstellen. Aus Sicht der Traktorenhersteller wäre darüber hinaus die Mischfähigkeit ein wichtiges Argument. "Als Maschinenanbieter agiert man im Spannungsfeld zwischen größtmöglicher Umweltverträglichkeit, bestmöglicher Funktion und geringstmöglichem Preis" bringt es Christian Freitag auf den Punkt. Ernst Pachler verweist auf den massiven Imageschaden bei Bioölen, der durch Schäden an Maschinen mit den unausgereiften Produkten der 80-er Jahren ausgelöst wurde und gibt zu bedenken, dass ein höherer Preis vom Kunden nur akzeptiert wird, wenn damit ein erkennbarer Vorteil für ihn verbunden ist.

Dies war das richtige Stichwort für Markus Kollenz (Fuchs-Austria Schmierstoffe), der an Hand wissenschaftlicher Untersuchungen aufzeigte, dass heute angebotene, schnell abbaubare Bioöle durchaus besser sein können, als herkömmliche Hydrauliköle. Voll- und teilgesättigte synthetische Ester (HEES) wirken Verschleiß mindernd, haben weniger Reibung und damit höhere Effizienz bei einem breiten Betriebstemperaturband und hohem Viskositätsindex. Bei richtiger Ölpflege (Schmutz- und Wasserfilter) und regelmäßiger Laborprüfung sowie Verjüngung kann das Öl ein Maschinenleben lang verwendet werden, wodurch auch die Kosten relativiert werden.

Vorausgesetzt die Maschine ist und bleibt dicht, denn bei einem durchschnittlichen Hydraulikölverlust eines Harvesters von 0,8 Liter/MAS (Ruppert, D., KWF 2002) wäre auch der größte Tank nach etwa 1000 MAS leer - und allenfalls der Waldboden mit Öl verseucht.

Angesichts der großen Verantwortung, die der Maschinenbetreiber im sensiblen Ökosystem Wald trägt, sollten technische Vorkehrungen wie Vakuumpumpe, Absperrhahn, Ölauffangsysteme etc. serienmäßige Maschinenausstattung sein. Regelmäßige Wartung und vorsorglicher Schlauchwechsel können Ölunfälle verhindern.

Wenn es aber doch passiert, sind das Bereithalten eines Ölunfallsets auf der Maschine und am Begleitfahrzeug sowie die Verwendung von biologisch schnell abbaubarem Öl für das Abwenden weit reichender Umweltschäden und damit verbundener Schadenersatzforderungen von größter Bedeutung.


Die Vorträge der Veranstaltung als pdf-Datei:

Clemens Kraus,
PEFC Austria

Umweltschonender Technikeinsatz - ein wichtiges Kriterium für nachhaltige Waldbewirtschaftung (1 MB)
Hubert Kürner,
Stadtfeuerwehr Gmunden

Ölunfall - was ist zu tun? Wie gefährlich sind Öle für die Umwelt? - Lösen "Bioöle" alle Probleme? (8,9 MB)
Hubert Mayer,
Stadt Wien MA49

Vorgaben seitens der MA49 zur Vermeidung von Ölverlusten und deren Folgen beim Einsatz von Forstmaschinen (19,3 MB)
Günther Weise,
KWF

Ergebnisse einer Umfrage über die Einsatzerfahrungen mit biologisch schnell abbaubaren Druckflüssigkeiten in Forstmaschinen (0,6 MB)
Christian Freitag,
ÖFORST John Deere

Anforderungen an biologisch schnell abbaubare Hydraulikdruckflüssigkeiten aus Sicht eines Maschinenherstellers und Maschinenvertreibers (0,6 MB)
Ernst Pachler,
CNH Steyr

Anforderungen an biologisch schnell abbaubare Hydraulikdruckflüssigkeiten aus Sicht eines Traktorenherstellers
Markus Kollenz,
Fuchs Austria Schmierstoffe GmbH

Entwicklung und Weiterentwicklung von biologisch schnell abbaubaren Druckflüssigkeiten (4 MB)
Milorad Kristic,
Kleenoil Panolin AG

Biologisch schnell abbaubare Druckflüssigkeiten - Gesetzeslage, Erfahrungen in der Forstpraxis und Entwicklungstendenzen


Weitere Informationen zum Thema Bioöle in der Forstwirtschaft finden sie in den Forsttechnischen Informationen des Kuratoriums für Waldarbeit und Forsttechnik (KWF)
http://www.kwf-online.org/informationszentrale/fti/fti-archiv.html
Eine Inhaltsangabe, welche FTI-Ausgaben Informationen zu Bioölen enthalten finden sie in dieser Inhaltsübersicht.

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